Wir bleiben hier!

Vor dem ehemaligen Militärwaisenhaus in der Potsdamer Innenstadt demonstrierten am Mittwoch rund 300 junge Menschen mit Schildern und Luftballons mit der Aufschrift „Wir bleiben hier!“ Es waren jedoch keine autonomen Hausbesetzer, die man eher mit der Losung assoziiert, sondern Jura- und InformatikstudentInnen, die gegen mögliche Schließungen ihrer Fakultäten demonstrierten.

Eine von der Landesregierung eingesetzte Hochschulstrukturkomission hatte in einem Bericht am 8. Juni neben der Verschmelzung der FH Lausitz und der BTU Cottbus auch vorgeschlagen, die juristische Fakultät an der Universität Potsdam zu schließen und mit der Viadrina-Universität in Frankfurt/Oder zusammenzulegen. In Potsdam lehnen alle, von den Studierenden bis zum Dekan, diesen Vorschlag mit dem Argument ab, dass beide Fakultäten jetzt schon überfüllt sind. Dazu soll das Informatikstudium eingeschränkt werden: „Es soll nur noch ‚Bindestrich-Informatik‘ wie Verwaltungs-Informatik oder Bio-Informatik geben, während die reine Informatik abgeschafft wird“ erklärt Torsten Steinbrecher, der selbst das Fach studiert. „Es wird als eine ‚Profilschärfung‘ verkauft, aber in Wirklichkeit geht es um eine Anpassung an die Bedürfnisse der Wirtschaft.“

Protest kam von beinahe allen politischen Hochschulgruppen, nicht nur vom Studierendenverband der oppositionellen CDU, sondern auch von den Jugendgruppen der Regierungsparteien SPD und Linkspartei. Jura- und InformatikstudentInnen von den Jusos und der Linksjugend-Solid hatten die Demo mitorganisiert. „Die Bildungspolitik unter Rot-Rot ist ein Alleinstellungsmerkmal im negativen Sinne!“ ruft Jura-Student David Kolesnyk von den Jusos am Mikrofon. Seine Partei „bricht den eigenen Koalitionsvertrag, weil sie letztes Jahr im Dezember 12 Millionen Euro bei der Bildung eingespart haben.“ Auch Adrian Furtwängler, der ebenfalls Jura studiert und bei der Linksjugend-Solid aktiv ist, fühlt sich „seit Jahren im Streit mit der Partei und vor allem der Fraktion“ wegen Kürzungen in der Bildung sowie wegen Umweltfragen.

Dekan der Rechtswissenschaften Hartmut Bauer hofft auf eine schnelle Antwort der Parteien auf den Komissionsbericht. Dafür hat er alle ProfessorInnen gebeten, ihre Studierenden an der Demonstration teilnehmen zu lassen. Student Bastian Schulze dagegen, der ein Flugblatt mit dem Namen „Waffen der Kritik“ in der Hand hält, meint dass nur gemeinsame Proteste und Streiks mit anderen Studierenden für den Erhalt der Fakultät sorgen können.

Die Uni Potsdam bietet auch einen deutsch-französischen Studiengang in Verbindung mit der Universität Paris-Nanterre, die bei einem Umzug verloren gehen könnte. Danielle Yousseu aus Paris ist mit ihren ersten zwei Semestern sehr zufrieden und wäre nicht zum Studieren nach Frankfurt/Oder gegangen, weil sie viel Wert auf die Nähe zu den kulturellen Angeboten Berlins legt.

Dieser Artikel auf indymedia

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