Arabischer Herbst?

 

feminist selfdefence kairo

Während der Tage des Sturzes Hosni Mubaraks Anfang des Jahres 2011 berichtete die ägyptische Filmemacherin Nadia Kamel: „Die Männer waren sehr selten aggressiv gegenüber Frauen und zeigten auch nicht diese krankhafte Haltung des Anmachens, die normaler­weise auf den Straßen herrscht. Männer und Frauen sind in den Demonstrationszügen Seite an Seite gelaufen.“

In den Aufständen des arabischen Frühlings spielten Frauen eine treibende Rolle. Entgegen der auch und gerade für sie besonders repressiven Atmosphäre der autoritär regierten Staaten Nordafrikas waren sie vielerorts die ersten, die zu kämpfen bereit waren. Die Textilarbeiterinnen von Mahalla, die 2008 eine Streikwelle lostraten und damit die Vorboten der Revolution wurden, stehen da als ein Beispiel von vielen. Dadurch konnten sich Frauen, jung oder alt, mit Schleier oder ohne, auch viel freier bewegen, wie Nadia Kamel in dem obigen Zitat berichtet.

Doch der revolutionäre Prozess führte nur zur Ersetzung Mubaraks durch den Islamisten Mursi. Damit begann ein neues Kapitel entsetzlicher Gewalt gegen Frauen: Gruppenvergewaltigungen stehen auf Ägyptens Straßen mittlerweile auf der Tagesordnung. Junge Männer treffen sich gemeinsam am Abend mit der Absicht, durch die Straße zu gehen und Frauen zu vergewaltigen. Gerade der für die Revolution so symbolische Tahrir-Platz ist kein sicherer Ort mehr für Kairos Frauen.

Weder dies, noch das tagtägliche Grapschen auf Straßen und in den Bussen wird vom durch Islamisten und nationalistischen Militärs geführten Staatsapparat in irgendeiner Weise verfolgt oder auch beachtet – der Verdacht von Aktivist*innen gegen den Staat selbst als Verursacher liegt nahe. Diese Entwicklung zeigt deutlich, dass die revolutionären Prozesse des arabischen Frühlings von den nationalistischen und islamistischen Führungen zurückgedrängt werden. Denn schon Karl Marx wusste, dass der gesellschaftliche Fortschritt allgemein an der gesellschaftlichen Stellung der Frau gemessen werden kann.

 

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