Frauen*: Zwischen Imperialismus und Sexismus

keinlagerfürfrauenVon Sophie Schmidt, FU Berlin, Kunstgeschichte

Im Mai und Juni gab es eine Veranstaltungsreihe „Marxismus und Geschlecht“, da sowohl Informations- als auch Diskussionsbedarf zu diesem Themenkomplex existiert.

Inhalt des zweiten Vortrags aus der Reihe war die Situation der Frauen* im Imperialismus. Denn Imperialismus führt einerseits zu Unterdrückung und Ausbeutung in den halbkolonialen Ländern und treibt Millionen in die Flucht und Migration. Migration in die zentralen Länder, wie zum Beispiel Deutschland, ist also Ausdruck von Imperialismus. Zu Gast war Natalia vom International Women Space, die von der Organisation und der aktuellen Situation der Frauen* am Berliner Oranienplatz berichtete.

Als Imperialismus bezeichnet man die Rivalitäten zwischen einigen wenigen kapitalistischen Ländern, deren Ziel größtmögliche ökonomische, politische und territoriale Macht ist. Er ist Resultat von ökonomischen Bedingungen, die so weit vorangeschritten sind, dass sie auf die Überschreitung nationaler Grenzen angewiesen sind. Als geschichtliche Epoche begann der Imperialismus in der Zeit des späten 19. Jahrhunderts bis zum Ersten Weltkrieg. Zu dieser Zeit begann die Aufteilung der Welt unter den kapitalistischen Ländern. Aber auch heute leben wir noch im Imperialismus, wenn es auch nicht so offensichtlich ist. Immer noch scheinen sich die wenigen westlichen Länder für den Rest der Welt verantwortlich zu fühlen und sie ökonomisch auszubeuten. Zahlreiche Auslandseinsätze sind der Beweis. Paradoxerweise geschehen diese häufig unter dem Vorwand der Frauen*befreiung: Die Unterdrückung der Frauen* beispielsweise in muslimisch geprägten Ländern ist nicht von der Hand zu weisen und scheint die Einsätze der westlichen Mächte zu rechtfertigen. Gleichzeitig führen Militärinterventionen nicht zu der Befreiung von Frauen*, oft werden sie nur mehr in den kapitalistischen Produktionsprozess eingebunden, und so von westlichen Kapitalist*innen ausgebeutet.

Im eigenen Land sieht man die Dinge nicht ganz so eng. Auch in Deutschland werden Frauen* unterdrückt, nur scheint daran niemand Anstoß zu nehmen. Während die Situation der Europäerinnen mäßig ist, ist die der Migrantinnen katastrophal.

In der Refugee-Bewegung sind hauptsächlich Männer* aktiv. Das liegt zum Einen daran, dass es für Frauen* schwerer ist zu fliehen als für Männer*, sie müssen sexuelle Übergriffe befürchten und haben meist nicht die finanziellen Mittel. Aber auch in Deutschland müssen geflüchtete Frauen* sich noch ganz anderen Problemen stellen als Männer*. Sprachbarrieren machen insbesondere Arztbesuche schwierig bis unmöglich. In der Schwangerschaft ist das besonders heikel, weil so keine optimale Versorgung gewährleistet ist. In Lagern müssen sich die Frauen* gegen eine Überzahl an Männern* behaupten. Eheschließungen entstehen zum Teil aus der Not heraus, wobei die Frauen* ihren Ehepartnern mangels Perspektiven absolut ausgeliefert sind. Die psychische Belastung, die aus dieser Situation heraus entsteht, ist immens. All dies treibt die Frauen* in die Isolation, aber auch in prekäre Arbeitsverhältnisse im Niedriglohnsektor (wo sie als billige Arbeitskraft durchaus erwünscht und notwendig sind und oft illegalisiert arbeiten).

Hier greift International Women Space. Den IWS gibt hauptsächlich alleinstehenden Frauen* einen sicheren Rückzugsort. In der besetzten (vormaligen Gehrhart-Hauptmann) Schule in der Ohlauer Straße ist die 2. Etage allein Frauen* vorbehalten. Doch der IWS ist mehr als nur ein Ort zum Leben. Die Bewegung, die seit ca. anderthalb Jahren aktiv ist, besteht aus Refugee-Frauen*, Migrantinnen und europäischen Supporterinnen. Der IWS vertritt die Interessen der Frauen* und macht diese und die alltäglichen Probleme von Frauen* in der Migration mittels Demos, Soliparties oder Workshops publik, es bietet einen Ort um Erfahrungen auszutauschen, zu diskutieren, Probleme – auch psychische – zu lösen und sich zu organisieren. Die Frauen* lernen dort ihre Stärken zu erkennen. Ein wichtiger Pfeiler des IWS ist der kostenlose Deutschunterricht, der es den Frauen* leichter machen soll, in Deutschland Fuß zu fassen.

Die Hauptforderungen von IWS sind:

  • Freie Wahl des Wohnortes
  • das Recht sich frei zu bewegen
  • das Recht auf eine eigene Wohnung für alle, die in Lagern leben
  • die Abschaffung der Residenzpflicht
  • das Recht auf Arbeit und eine angemessene medizinische Versorgung
  • Zugang zu Bildung

Der Kampf für die Forderungen der Refugee-Frauen* muss, um erfolgreich zu sein, von einer klassenkämpferischen, antiimperialistischen Frauen*bewegung aufgenommen werden. Eine solche Bewegung muss die Instrumentalisierung von Frauen*rechten durch Imperialist*innen immer wieder denunzieren, Solidarität mit antiimperialistischen Kämpfen in den halbkolonialen Ländern organisieren und gegen die Imperialist*innen im eigenen Land kämpfen.

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