Gramsci vs. Spivak: Wer befreit die Subalternen?

GramsciVon Stefan Schneider, FU Berlin, Politikwissenschaften

Die Wissensproduktion an der Universität dient in der Regel dazu, die herrschenden Verhältnisse zu festigen: Es ist Wissen im Sinne der herrschenden Klasse, das zur Legitimation der Ausbeutung und der Unterdrückung durch das kapitalistische System dient. Deshalb sind diejenigen, die in dieser Gesellschaft unterdrückt werden, an der Universität oftmals nur insofern Studienobjekt, wie es zur Aufrechterhaltung und Effizienzsteigerung ihrer Unterdrückung dient.

Eine mögliche Ausnahme bietet die Auseinandersetzung mit Subalternität. Der Begriff wurde ursprünglich vom revolutionären Kommunisten Antonio Gramsci geprägt. Genauso kommt er in den Theorien der postkolonialen Literaturwissenschaftlerin Gayatri Spivak vor. Gramsci ist unter links angehauchten Akademiker*innen seit Jahren in Mode, während Spivak mehrere tausend Menschen zu einer Veranstaltung an der Humboldt-Uni bringen konnte.

Welche Unterschiede gibt es beim Konzept der Subalternität bei Gramsci und bei Spivak? Welche politischen Konsequenzen ergeben sich daraus? Was kann dieses Konzept zum Kampf gegen Unterdrückung beitragen? Als Teil der Debatte zwischen Marxismus und Postkolonialismus, die wir in der ersten Ausgabe von WAFFENDERKRITIK begonnen haben, wollen wir auf diese Diskussion eingehen.

Subalterne als Klasse: Gramscis Begriff der Subalternen

Antonio Gramsci war ein italienischer Kommunist, der einen großen Teil seines politischen Lebens im Gefängnis verbrachte, wo er die Mehrzahl seiner Ausarbeitungen über verschiedenste Fragen marxistischer Theorie anfertigte. Als Mitbegründer der Kommunistischen Partei Italiens und Mitglied der Kommunistischen Internationale erlangte er in den 1920er Jahren internationale Bedeutung. Seine gesamte politische Arbeit stand im Zeichen der Ausdehnung der sozialistischen Revolution in Russland auf Europa und des Kampfes gegen den italienischen Faschismus. Auch nach seiner Verhaftung im November 1926 blieb Gramsci der Idee der Revolution treu; die Notizen in seinen „Gefängnisheften“ sind so zu verstehen, dass sie Versuche darstellen, die Niederlage gegen den italienischen Faschismus zu verarbeiten, um die Bedingungen für den Sieg der sozialistischen Revolution herauszuarbeiten.

Gramscis erste Beschäftigung mit der Frage der Subalternität findet sich in einem Aufsatz mit dem Titel „Einige Gesichtspunkte der Frage des Südens“, welchen er kurz vor seiner Verhaftung schrieb. Auch wenn der Begriff „Subalterne“ in dem Text nicht direkt benannt wird, so stellt er gleichwohl eine erste Annäherung an das politische Problem der Subalterne, in diesem Fall der Bauernmassen des italienischen Südens, dar. In dem Aufsatz befasst sich Gramsci mit der sozialen Struktur Süditaliens und der Rolle der Intellektuellen in der Aufrechterhaltung der Unterdrückung Süditaliens. Oder andersherum gesagt: Er möchte herausarbeiten, welche Strategie notwendig ist, um die Unterwerfung der süditalienischen Bauernmassen unter die herrschende Elite zu überwinden. Der zentrale Punkt, den Gramsci hier betont, ist die Rolle von Intellektuellen in der politischen Führung unterworfener Gruppen: In Süditalien hätten die führenden Intellektuellen wie Giustino Fortunato oder Benedetto Croce, anstatt die Interessen der Massen des Südens zu vertreten, eine Schlüsselfunktion in der Verteidigung der dominanten Herrschaftsstruktur übernommen: „Über dem Agrarblock fungiert im Süden ein Block von Intellektuellen, der es bisher praktisch verhindert hat, daß die Risse im Agrarblock zu gefährlich wurden und einen Erdrutsch verursachten. […] In einem weiteren Umkreis als dem des dumpfen Agrarblocks haben sie erreicht, daß die Formulierung der Probleme des Südens bestimmte Grenzen nicht überschritt, daß sie nicht revolutionär wurde. […] In diesem Sinne hat Benedetto Croce eine sehr wichtige ‚nationale‘ Mission erfüllt. Er hat die radikalen Intellektuellen des Südens von den Bauernmassen losgelöst“.

Als Konsequenz daraus schlägt er der kommunistischen Arbeiter*innenbewegung vor, die politische Führung der Bauernmassen zu übernehmen, indem sie sich ihre Forderungen zu eigen mache. Dabei ist diese Allianz zweiseitig: Nur durch die Allianz mit der Arbeiter*innenbewegung können die Bäuerinnen und Bauern aus ihrem Elend entkommen; und nur durch die Allianz mit den Bäuerinnen und Bauern kann die Arbeiter*innenbewegung im italienischen Süden die Revolution vorantreiben: „Um als Klasse herrschen zu können, muß das Proletariat alle zünftlerischen Überreste, alle Vorurteile oder Einschläge syndikalistischer Art abstreifen. […] Sie müssen als Mitglieder einer Klasse denken, die die Bauern und die Intellektuellen führen will, einer Klasse, die nur dann siegen und den Sozialismus aufbauen kann, wenn die große Mehrheit dieser sozialen Schichten sie unterstützt und ihr folgt. Wenn das nicht erreicht wird, wird das Proletariat nicht die führende Klasse, und diese Schichten, die in Italien die Mehrheit der Bevölkerung bilden, bleiben unter bürgerlicher Führung und ermöglichen es dem Staat, dem Ansturm des Proletariats standzuhalten und zu brechen.“„[…] Das Proletariat wird den Agrarblock des Südens in dem Maße zerschlagen, in dem es ihm auf dem Wege über seine Partei gelingen wird, immer größere Massen von armen Bauern in selbständigen und unabhängigen Verbänden zu organisieren.“

Kurz danach wurde Gramsci verhaftet und musste seine weitere Arbeit im Gefängnis fortführen. Über die Jahre hinweg machte er immer wieder Anmerkungen zum Studium subalterner Klassen (so ausführlicher in Heft 3, Heft 4 und vereinzelt in den Heften 10, 14 und 21), welche er schließlich im Heft 25 unter dem Titel „An den Rändern der Geschichte (Geschichte der subalternen gesellschaftlichen Gruppen)“ zusammenfasste. Auch wenn Gramsci an keiner Stelle vollständig das Konzept der Subalternität definiert (wobei er an verschiedenen Stellen im Heft 25 Sklav*innen, Bauern/Bäuerinnen, religiöse Gruppen, Frauen*, verschiedene Ethnien und das Proletariat als subalterne Gruppen benennt), ist klar: Subaltern sind für Gramsci diejenigen, die nicht mit der herrschenden Elite verbunden sind – Subalternität ist ein Synonym für die unterdrückten Klassen in einer Klassengesellschaft.

Daraus folgen gleichsam mehrere Konsequenzen: Subalterne sind von Gramsci zunächst ökonomisch definiert; Subalterne sind den herrschenden Eliten unterworfen; diese Unterwerfung ist aber nicht notwendigerweise überall gleich, verschiedene subalterne Gruppen können verschiedene Formen der Unterwerfung erleben. Dies beschreibt Gramsci im Sinne verschiedener, nicht klar voneinander abgrenzbarer und miteinander kombinierbarer Grade von Subalternität. Er setzt Subalternität nicht mit völligem Ausgeschlossensein gleich, denn subalterne, d.h. unterdrückte Gruppen können verschiedene Grade an Selbständigkeit besitzen, die von völliger Unterwerfung unter die Ideologie der herrschenden Elite, über die immer selbständigere Formulierung der eigenen Interessen, bis hin zur Schaffung eigener Parteien und sonstiger Gruppierungen reichen, die die Unterwerfung überwinden wollen.

Für Gramsci nimmt die Figur des/der Intellektuellen eine besondere Rolle in dem Prozess der Führung der Subalterne ein. Jede Klasse bringt ihre eigenen Intellektuellen hervor, die „organisch“ die Interessen dieser Klasse repräsentieren. Die Aufgabe dieser Intellektuellen ist es, die Interessen der eigenen Klasse zu vereinheitlichen und Allianzen mit anderen Klassen zu schmieden; als Teil der herrschenden Elite sind organische Intellektuelle diejenigen, die das Element des Konsenses in Gramscis Hegemonieverständnis liefern. Angewandt auf das Problem der Subalterne bedeutet dies, dass die am meisten fortgeschrittenen Sektoren der subalternen Klassen mittels organischer Intellektueller für die Vereinheitlichung der subalternen Interessen sorgen müssen, um auf das politische Ziel, nämlich die Befreiung der subalternen Klassen mittels einer Revolution, welche die gesamte Gesellschaft transformiert, hinzuarbeiten.

Spivak: Subalterne 
Ausgeschlossenheit

Gayatri Spivak gilt als eine der Hauptvertreterinnen der postkolonialen Literatur- und Kulturwissenschaft. Sie näherte sich dem Thema Subalternität unter Zuhilfenahme verschiedenster theoretischer Einflüsse wie Jaques Derridas Verständnis der Dekonstruktion, dem französischen Feminismus (bzw. ihrer Kritik daran) und einer (eigenwilligen) Neu-Lektüre Karl Marx‘. Sie versteht Subalternität als einen „Raum, der in einem kolonisierten Land von den Mobilitätslinien abgeschnitten ist.“ In der Gesellschaft gäbe es normalerweise „Vektoren einer Aufwärts-, Abwärts, Seitwärts- und Rückwärtsmobilität. […] Aber dann gibt es auch einen Raum, der praktisch in jeder Hinsicht außerhalb dieser Linien liegt.“ Indes, während Subalterne von der Gesamtgesellschaft teilweise beeinflusst werden können, besteht Spivak darauf, dass „[s]ubalternity cannot be generalised according to hegemonic logic. That is what makes it subaltern.“ Mit anderen Worten: Subalterne Gruppen sind diejenigen, die außerhalb des herrschenden Diskurses existieren.

Diese Definition bringt Spivak in einer anderen Form in ihrem bekanntesten Essay „Can the Subaltern Speak?“ vor, in dem sie sich unter anderem mit der Problematik der Repräsentation indischer Frauen* im Kontext ritualisierter Witwenverbrennung auseinandersetzt. Der herrschende Diskurs übergeht Spivak zufolge die eigene Position der jeweiligen Witwe komplett, indem der Akt der Verbrennung entweder als eine barbarische Manifestation der patriarchalen Gesellschaftsstruktur Indiens oder aber als freier Wille der sich opfernden Frau* dargestellt wird. Die britischen Kolonialherren bzw. die religiösen indigenen Eliten maßen sich somit an, für und also auch an Stelle der betroffenen Witwen zu sprechen. Für letztere bleibt innerhalb dieses Diskurses kein Platz. Sie können, wie Spivak es polemisch formulierte, nicht sprechen.

Die subalternen Frauen* in Spivaks Beispiel sind aber nicht zu passiv, um für sich selbst zu sprechen. Vielmehr ist der Sprechakt erst dann vollendet, wenn die Stimme der Sprechenden auch gehört wird. Da dies im hegemonialen Diskurs aufgrund der Repräsentation durch Kolonialherren oder indigene Eliten aber unmöglich ist, verstummt die subalterne Frau*, selbst wenn sie sich äußert. Die subalterne Frau* ist „doppelt im Schatten“, als Frau* in einer patriarchalen Gesellschaft und als Teil einer durch internationale Arbeitsteilung abhängig gemachten sozialen Gruppe, in diesem Fall der ehemals kolonisierten Inder*innen. Weiterhin bedeutet der Fakt, dass es subalternen Gruppen nicht gelingt, erhört zu werden, nicht, dass es keine Handlungsmöglichkeiten gibt. Aber immer wenn diese Handlungen erfolgreich sind, oder irgendwie im Diskurs auftauchen, ist die Sphäre der Subalternität bereits verlassen worden. Sobald sich Subalterne Gehör verschaffen, sind sie nicht mehr subaltern.

Subalterne Gruppen müssen laut Spivak trotzdem eine Handlungsfähigkeit entwickeln, und zwar mit Hilfe eines „strategischen Essentialismus“, also des Versuches, strategisch im Hinblick auf konkrete Probleme eine gemeinsame Identität anzunehmen, die eigentlich gar nicht existiere, um eben ein Kollektiv herzustellen, welches tatsächlich handlungsfähig ist – aber immer nur temporär. Spivak weiß, dass subalterne Gruppen ständig versuchen, aus ihrer Subalternität auszubrechen, auch wenn sie dabei immer zu scheitern scheinen: „Was wir hier also vor Augen haben, ist die Geschichte eines permanenten subalternen Aufstands, der ständig scheitert, aber bis heute anhält.“ Für Spivak geht es dabei um Versuche, über Umwege eine institutionelle Handlungsfähigkeit zu erlangen. Insofern sie erfolgreich sind, hören sie auf, subaltern zu sein. Gerade aber durch den subalternen Charakter der Subjekte, die diese Aufstände versuchen, sind diese fast nie erfolgreich, wodurch die Subjekte wieder in die Subalternität zurückgeworfen werden.

Klassenkampf vs. 
Diskursmacht

Gramsci definiert subalterne Gruppen als diejenigen, die nicht Teil der herrschenden Elite sind, Spivak als diejenigen, die außerhalb des herrschenden Diskurses stehen. Auf den ersten Blick scheint dies eine deckungsgleiche Definition mit unterschiedlicher Formulierung zu sein. Aber die grundlegende Kategorie, die Gramsci anlegt, ist eine ökonomische, da die Position der verschiedenen Klassen, seien sie Teil der herrschenden Elite oder der Subalterne, in ihrer Relation zum kapitalistischen Produktionsprozess (bzw. zu Produktionsprozessen in vor-kapitalistischen Gesellschaften, in Gramscis Analyse des römischen Reichs) angesiedelt ist. Spivaks Kategorisierung enthält zwar auch eine ökonomische Komponente, denn die materielle Verfügungsgewalt über den Diskurs ist je nach sozialer Schicht sehr unterschiedlich, woraus folgt, dass die außerhalb des Diskurses Stehenden auch ökonomisch unterworfen sind. Aber die Grundlage von Spivaks Definition bezieht sich darauf, welche Gruppen den Diskurs beeinflussen können. Viele Sektoren, die ökonomisch unterworfen und nicht Teil der herrschenden Klassen sind, wie zum Beispiel das Proletariat, fallen bei Spivak nicht unter die Kategorie der Subalternität, da sie zumindest im begrenzten Rahmen Teil des herrschenden Diskurses sind. Die Unterwerfung, auf die die Kategorie der Subalterne ja aufmerksam machen will, lässt sich aber nicht allein auf das Fehlen von Organisation und Diskursmacht beschränken. Allerdings muss an dieser Stelle noch angemerkt werden, dass Spivak, im Unterschied zu Gramsci, explizit auf die Genderdimension von Subalternität eingeht und ausführt, dass Frauen* innerhalb von subalternen Gruppen noch einmal eine untergeordnete Stellung einnehmen und quasi „doppelt“ subaltern sind. Diese Dimension wird von Gramsci nicht angesprochen.

Methodisch basiert Gramscis Begriff der Subalternität auf einem marxistischen Verständnis der Gesellschaft als strukturiert durch grundlegend ökonomisch definierte Klassen, welche verschiedene politische, ideologische und kulturelle Ausdrücke haben können (die aber nicht völlig linear auf die ökonomische Basis zurückführbar sind, sondern eine relative Autonomie besitzen). Die Methode, mit der Gramsci also die Subalterne betrachtet, ordnet sich in eine Strategie der revolutionären Überwindung des Kapitalismus ein. Subalternität kann für Gramsci verschiedene Phasen beinhalten, und sein Ziel ist es, dass subalterne Gruppen die Stadien der politischen Eigenständigkeit mit einer Strategie der Machtergreifung erreichen. Dabei kann es fortschrittlichere subalterne Sektoren wie das Proletariat geben, und andere, die laut Gramsci von diesen Gruppen angeführt werden sollen. Gramsci spricht der Arbeiter*innenklasse aufgrund ihrer Stellung im Produktionsprozess die Führungsrolle im Kampf für die Umwälzung der kapitalistischen Verhältnisse zu. Die Arbeiter*innenklasse ist also diejenige, die die anderen subalternen Klassen und Gruppen unter ihr Banner vereinigen soll, um von der subalternen zur dominanten Klasse zu werden.

Spivaks Herangehensweise ist im Gegensatz dazu nicht so klar auf eine Umwälzung der Gesellschaft ausgerichtet, obwohl sie beispielsweise mit ihrem Konzept des „strategischen Essentialismus“ durchaus autonome Handlungsperspektiven für subalterne Gruppen zu formulieren versucht. Sie kann aber durch ihre diskurstheoretische Perspektive letztlich nur eine negative Beschreibung der Subalterne bieten, also als diejenigen, die man nicht wahrnimmt, die nicht Teil der „sozialen Mobilität“ sind. Es ist nun durchaus von akademischem wie politischem Interesse, diese vollständig ausgeschlossenen Schichten zu betrachten, aber damit werden die Sektoren, die für Gramsci durchaus subaltern sind und eine gewisse, begrenzte Ausdrucksmöglichkeit haben, ohne deswegen Teil der herrschenden Elite zu sein, bei Spivak aus dem Blickfeld gerückt. Obwohl dies gerade die Sektoren sind, die sich bewegen oder bewegt haben, also für ihre Rechte kämpfen. Mithin konstatiert sie, dass sie schon Teil des herrschenden Systems sind und deswegen für Spivaks Projekt uninteressant sind.

Für Gramsci war es stattdessen die politische Aufgabe, die subalternen Gruppen zu einem offensiven Bruch mit dem System zu bringen, aber gerade das wird von Spivak ignoriert, denn sie sind nicht mehr rein subaltern. Polemisch könnte man sagen, dass das subalterne Subjekt bei Spivak im Endeffekt also doch handlungsunfähig ist, denn jede Art von Handlung, die die Subalternität ansatzweise durchbricht, kann von Spivaks Analyse nicht mehr erfasst werden. Es kann sicherlich keine Rede davon sein, dass sie der Emanzipation der Subalterne bewusst entgegensteht, aber durch ihre beschränkte und zugleich schwammige Analyse kann sie keine politische Antwort auf die Frage geben, wie Subalterne ihre Unterdrückung beenden können. Gramscis Herangehensweise an die Emanzipation der Subalternen ist untrennbar mit der Etablierung einer revolutionären Partei der Arbeiter*innenklasse verbunden, mittels derer das Proletariat seine Klasseninteressen unter allen unterdrückten Gruppen hegemonial macht, damit es einen gesellschaftlichen Block für den Aufbau des Sozialismus errichten kann. Spivaks Perspektive bleibt demgegenüber letztlich deskriptiv, da sie trotz einiger Andeutungen kein wirkliches Projekt der Überwindung von Subalternität formuliert. Und dies kann auch nicht gelingen, denn wenn die Hauptkategorie von Subalternität Desorganisation und „Im-Schatten-sein“ ist, besteht die Überwindung von Subalternität schon in den ersten Ansätzen von Organisation und Sichtbarwerdung. Damit sind die grundlegenden strukturellen Ursachen, die auch Spivak für die Unterwerfung der subalternen Gruppen sieht, aber längst noch nicht beseitigt. Über diesen initialen Schritt kann sie aber in ihrer Analyse nicht hinaus gehen. Eine politische Nutzbarmachung der Analyse subalterner Klassen muss aber die Perspektive ihrer Überwindung enthalten, d.h. der Umsturz des kapitalistischen Systems, welches ihre Unterdrückung organisiert – für Gramsci und für uns ist das die Perspektive der Machtergreifung der Arbeiter*innenklasse und der sozialistischen Revolution.

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