Besuch bei den Amazon-Streiks in Leipzig

AmazonStreiksLeipzigvon Bastian Schmidt, Universität Potsdam, Jura

Am Donnerstag nahmen wir an einer Kundgebung der streikenden ArbeiterInnen von Amazon in Leipzig. Ungefähr 200 Beschäftigte zogen gemeinsam mit solidarischen Studierenden durch die Leipziger Innenstadt zur Universität.

Die Stimmung war sehr entschlossen. Von den Arbeiter*nnen hörte mensch immer wieder, dass sie sich nicht weiter ausbeuten lassen und auch im neuen Jahr wieder streiken, wenn ihre Forderungen nicht erfüllt werden. In Leipzig gibt es seit 2009 einen Betriebsrat. Die Gründung ging mit massivem Widerstand der Amazon-Führung einher, die unbedingt die Gewerkschaft ver.di aus dem Betrieb heraushalten wollte. So konnten die Beschäftigten bereits in der Vergangenheit einige Erfolge erzielen, u. a. nicht unerhebliche Lohnerhöhungen. Dennoch ist die Belegschaft weiter gespalten, sodass sich nur ein geringer Teil der Beschäftigten an diesem Streik beteiligt hat. Auch haben weitestgehend unbefristet Angestellte an diesem Streik teilgenommen, da unter den prekär Beschäftigten die Angst zu groß war, am Ende der Befristung nicht verlängert zu werden. Nichtsdestotrotz beteiligte sich auch ein*e Saisonarbeiter*in an diesem Streik, da er*sie kein*e Streikbrecher*in sein wollte und sowieso keine Aussicht auf eine Weiterbeschäftigung bei Amazon bestehe. Einige besonders aktive Streikende erzählten uns auch, dass sie aufgrund kritischer Kommentare im Betrieb oder sogar bei facebook Abmahnungen erhalten haben. Weiterhin kam es auch zu Belästigungen von weiblichen Mitarbeiterinnen durch sogenannte Leader und Manager, woraufhin einer de facto entlassen wurde.

Besonders positiv wurde die Unterstützung durch das Streik Soli-Bündnis Leipzig aufgenommen, das die Streiks bereits die ganze Woche begleitet hat. Nach der Kundgebung lud diese zu einer Diskussionsrunde ein, an der sich viele Beschäftigte und Studierende beteiligten. Dabei herrschte ein reger Austausch zu vergangenen und zukünftigen Aktionen, aber auch zur schlechten Situation von Mitarbeiter*innen im Betrieb. So liegt der durchschnittliche Krankenstand aufgrund der hohen körperlichen Belastungen bei über 20%, in der Weihnachtszeit sogar bei an die 30%. Beschäftigte laufen jeden Tag über 20km, sodass sich einige wegen körperlichen Beschwerden in ärztlicher Behandlung befinden.

Doch warum geht der Streik uns als Studierende auch etwas an? Dazu meinte Daniel aus dem Streik Soli-Bündnis Leipzig: „Nicht nur die Arbeitsbedingungen im Werk, sondern auch die Studienbedingungen werden prekärer.“ Franziska wies daraufhin hin, dass „die Amazon-Beschäftigten auch für unsere Arbeitsbedingungen von morgen [kämpfen]“. Eine Verknüpfung der Proteste von Studierenden und Arbeiter*innen ist somit in beiderseitigem Interesse. Das Soli-Bündnis lädt auch am Freitag wieder zu einem gemeinsamen Treffen ein. Auf das Ergebnis dürfen wir gespannt sein.

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