Was ist Dialektik?

Im letzten Semester fand an den beiden Berliner Universitäten ein Lesekreis zu marxistischer Dialektik, genauer gesagt, zu der “Dialektik der Natur” von Friedrich Engels statt.
Von Kofi Zulu

Warum wurde überhaupt ein Lesekreis zu Dialektik für Studierende angeboten? In den bürgerlichen Wissenschaften – von den Wirtschafts- zu den Sozialwissenschaften – wird so getan, als sei die Ökonomie oder der Mensch, welcher zumeist egoistisch sein soll … unveränderlich. Es wirkt so, als sei die kapitalistische Produktionsweise oder die bürgerliche Demokratie für immer und ewig haltbar und in Stein gemeißelt – aber schon Bertolt Brecht stellte in seinem Gedicht „Lob der Dialektik“ klar: „So, wie es ist, bleibt es nicht“.

Im Gegenteil, die materialistische Dialektik lehrt uns, dass alles, von der Natur über die Ökonomie hin zur Gesellschaftsform, veränderbar ist. Die kapitalistische Produktionsweise ist historisch entstanden, auch die Natur veränderte sich über die Jahrhunderte. Die Dialektik kann daher als die Wissenschaft der Bewegung formuliert werden.

Kontextualisierung

Zum besseren Verständnis des historischen Kontextes, der den materiellen Rahmen für Hegels philosophisches Wirken bildete, und um im Vorhinein eine bessere Ahnung der hegelschen Dialektik zu bekommen, wurden der Einleitung von Marcuses “Vernunft und Revolution”, und einem Ausschnitt von Evald Ilyenkovs “Dialectics as Logic” jeweils eine Sitzung gewidmet.

Den Hauptschwerpunkt bildete jedoch das oben angeführte Werk Engels’, dessen Zweck das Aufzeigen der universalen Gültigkeit der dialektischen Bewegungsgesetze in allen Prozessen der Natur ist. Nicht nur, dass Marx und Engels sich systematisch mit den neusten Erkenntnissen der zu dieser Zeit aufstrebenden verschiedenen wissenschaftlichen Disziplinen auseinandersetzten, in der “Dialektik der Natur” wird auf diese Erkenntnisse Bezug genommen, und nach dialektischem Inhalt untersucht.

Das Werk von Engels

So wird anhand verschiedener Beispiele aus den Bereichen der Physik und der Chemie gezeigt, dass die Bewegung als “inhärentes Attribut der Materie” die Grundform allen Seins darstellt. Alle Prozesse im Universum, von der Mechanik bis zum Denken, sind demnach durch Bewegung gekennzeichnet, die wie die Materie, weder geschaffen, noch zerstört werden kann. Sowohl in chemischen Prozessen, wenn Stoffe nach einer stetigen Temperaturveränderung mit einem “Sprung” über ein bestimmtes Maß ihre charakteristischen Eigenschaften ändern, wie beim Kochen von Wasser, dass zu Gas wird, als auch in den ständig ineinander umschlagenden Formen von potentieller und kinetischer Energie in der klassischen Mechanik (Kraft und Energie bezeichnet Engels als Attraktion und Repulsion, zwei Formen der Bewegung in dialektischem Verhältnis) lassen sich die Gesetze des Umschlagens der Quantität in Qualität, der Durchdringung der Gegensätze und der Negation der Negation wiederfinden.

Diese Gesetze werden nach Engels aus der “Geschichte der Natur wie der menschlichen Gesellschaft” abstrahiert, und sind die Gesetze “des Denkens selbst”. Die Notwendigkeit, dieses Thema zu behandeln, offenbart sich noch mehr in dem Kapitel “Anteil der Arbeit an der Menschwerdung des Affen”, der auch separat veröffentlicht wurde. Denn diejenigen, die blind sind für die dialektischen Zusammenhänge, und stattdessen Gott oder eine andere, zumeist metaphysische Ausrede als Grund für die Prozesse der Natur suchen, stellen sich in letzter Konsequenz in das Lager der intellektuellen Reaktion, die den Kapitalismus aus der Natur des Menschen, und diese, und damit auch die Gesellschaft, für unveränderbar erklärt.

Engels zeigt dagegen die Einwirkung des Menschen auf seine Umwelt, und die Veränderung dieser durch die Arbeit mittels der zuerst bloßen Hand, dann mit immer komplizierteren Werkzeugen, und schließlich auch die Rückwirkung auf die Hand und die anderen Organe des Menschen auf, und stellt klar, dass auch Mensch und Natur sich in einem Verhältnis befinden, dass durch die Dialektik bestimmt ist – schon bei Marx galt die Arbeit als ein Prozess des Stoffwechsels zwischen Mensch und Umwelt.

Dieses Verhältnis bringt letztendlich nach einer bestimmten Quantität an Einwirkung durch den Menschen die Gesellschaft hervor, die ihrerseits in der Lage ist, durch mehr oder weniger bewusste Organisation der Einwirkung auf die Natur eine neue Qualität zu geben.

Die nächste Stufe der menschlichen Entwicklung ist folglich der Sozialismus, der die Widersprüche der kapitalistischen Produktionsweise, und damit die Ausbeutung und Unterdrückung von Milliarden Menschen aufhebt, sowie der irreversiblen Vergiftung und Zerstörung der Natur Einhalt gebietet.

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